23. September 2021 , Dr. Christine Leithäuser
Am 21. September besichtigen Interessierte die bis auf den Rohbau zurückgesetzte ehemalige Pädagogische Hochschule auf der Hardt. Der endgültige Abriss steht kurz bevor. Sie finden eine neuwertige Bausubstanz vor. Dieses Ensemble abzureißen, ist nicht zu rechtfertigen. Weder drückt Wasser in den Keller, noch ist das Dach beschädigt. Die Fernwärmeleitung soll für die zu errichtenden Modulbauten genutzt werden. Damit entfallen die Hauptgründe, die seinerzeit für den Abriss sprachen. Aktuelle Fotos widersprechen der Darstellung in der Beschlussvorlage VO/0474/20 , aufgrund derer der Abriss im Rat befürwortet wurde. Dazu kommt eine absolut zeitgemäße Architektur. Das Schulgebäude ist lichtdurchflutet und weitläufig. Das Raumangebot auf 13 000 m² Bruttogeschoßfläche allein im Hauptgebäude ist absolut geeignet für differenzierende Unterrichtsformen. Ebenso zeigen die Nebengebäude materielle Qualitäten, die man heute im Neubau kaum bekommt. Durch den Abrissbeschluss und dessen Umsetzung ist schon jetzt ein Vermögensschaden für die Bürger der Stadt Wuppertal entstanden. Im Einzelnen:
Professionelle Immobilienentwickler sagen: "Dieses Gebäude ist zweifellos sehr geeignet, um es zu erhalten und weiter zu entwickeln. Eine solche Substanz reißt man nicht ab."
Aber das GMW sagt, der Erhalt des Gebäudes lohne sich nicht. Am 22.09.2021 schreibt Herr Lehn auf Anfrage: "Sowohl aus technischen, finanziellen als auch aus zeitlichen Gründen und insbesondere im Zusammenhang mit den bestehenden Bedarfen im städtischen Schulbau halte ich die Entscheidung des Rates zum Abriss und der Errichtung eines Neubaus in Modulbauweise nach wie vor für richtig." Am 27.09.2021 wiederholt er, dass das BLB das Dach als nicht begehbar bezeichnet habe und Arbeiter von einer brüchigen Schiefereindeckung berichteten.
Steht man allerdings vor der ehemaligen Schule, sieht man, dass das Schieferdach bis auf wenige Schadstellen intakt ist. Die Dachkonstruktion selber besteht aus Stahl. Der Zustand der Schalung von innen zeigt zudem, dass das Dach dicht ist, sonst wären Verunreinigungen zu erkennen.
Problematisch ist vielmehr der Pflegezustand des Daches. In den Dachrinnen wachsen Baumschößlinge, sie wurden offenkundig seit Jahren nicht gereinigt. Zugesetzte Entwässerungsleitungen sind regelmäßig die Ursache für Wasserschäden in Gebäuden. Also könnte der Wasserschaden von 2018 auch darauf zurück zu führen sein. Denn: Drückte Grundwasser in den Keller, wären die Wände nass, was bei der Begehung nicht zu erkennen war.
Herr Lehn bestätigt, dass für die geplanten Modulbauten Fernwärme genutzt werden soll, und zwar mithilfe einer neuen Heißwasserleitung. Hier ergibt sich also keine Einsparung durch die geplante Modullösung gegenüber einer Sanierung im Bestand. Alle weiteren in der Ratsvorlage genannten baulichen Mängel sind für ein Gebäude diesen Alters typisch und rechtfertigen den Totalabriss keineswegs.
Zu den zeitlichen Gründen: Ursprünglich hieß es vom GMW, eine Sanierung des Gebäudes würde zwei bis drei Jahre dauern. Seit 2020 wird darüber diskutiert, dass man das nicht will. Das sind 15 verlorene Monate.
Und die Kosten? Sie sind noch gar nicht bekannt. Denn zum jetzigen Zeitpunkt hat noch nicht einmal die Ausschreibung für die Modulbauten stattgefunden. Alle Angaben aus der Ratsvorlage sind wegen der Baukostensteigerung und des Rohstoffmangels am Markt als Schätzung zu bewerten.
Auf der Hardt steht (noch) ein hochwertiger Rohbau. Dieses Vermögen des Bürgers wird in Kürze zerstört sein. Nach meiner Rechtsauffassung ist das treuwidrig. Gleichzeitig feiert man in der Stadtverwaltung die Idee des "circular valley", der Kreislaufwirtschaft. In der Praxis funktioniert diese nicht.